Pfarrei Sankt Franziskus Halle

Propst versteht Protest

In der Nacht zum Sonntag haben Menschen an der Propstei- und an der Moritzkirche Transparente und die Regenbogenfahne befestigt. Propst Hentschel reagierte darauf mit dem folgenden Text, der in den Gottesdiensten verlesen wurde. Unser Pfarradministrator Gerhard Packenius unterstützt die Stellungnahme des Propstes.

„Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach; und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein. Wenn einer mir dienen will, wird der Vater ihn ehren.“ (Joh 12, 26)

Liebe Schwestern und Brüder,

die Stellungnahme der vatikanischen Glaubenskongregation zur Frage einer kirchlichen Segnung homosexueller Paare hat in den letzten Tagen eine große Welle der Empörung ausgelöst, der sich nicht wenige Bischöfe im In- und Ausland angeschlossen haben. An dieser Stelle, hier und heute, sage ich ausdrücklich: Auch ich bin empört!

Die Römische Stellungnahme bezeugt, dass die Römischen Verantwortlichen nicht aus ihrer alten Blase herauskommen, in der sie wenig im Licht neuer naturwissenschaftlicher, psychologischer und sozialwissenschaftlicher Erkenntnisse alte Urteile erneuern.

Das bedauere ich sehr.

Reinhard Hentschel

Wieder einmal mehr wurde eine Chance vertan, die kirchliche Lehre mit dem Wissen neuerer Erkenntnissen zu reflektieren und weiterzuentwickeln.

Das eingangs zitierte Wort aus dem zwölften Kapitel des Johannesevangeliums steht heute in dem Text, der am 5. Fastensonntag unser Evangelium ist. Die Worte Jesu:…“wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein…“ fordern dazu auf, hinzuschauen, wo Jesus gestanden hat.

Es ist offenbar: er stand auf der Seite der Menschen in ihrer vielfältigen Prägung und hat sich ihrer Angenommen in ihren Sorgen und Nöten, in ihrer Freude und Hoffnung, schenkte ihnen Ansehen und stärkte sie in ihrer Würde.

Der Standort Jesu bei den Menschen muss der Standort der kirchlichen Dienste sein: „ wo ich bin, dort wird mein Diener sein…“

Und ja, es braucht den Geist der Unterscheidung. Auch in christlich geschlossenen Ehen ist mit dem bei der Trauung erteilten Brautsegen nicht jedes lieblose oder gar sündige Tun, dass die Würde des Partners / der Partnerin verletzt, gutgeheißen. Liebe und Verantwortung gehören seit jeher zusammen.

Und um den Schreibern des Plakates an unserem Tor zu antworten: nein, eure Liebe ist keine Sünde, wo ihr liebevoll und verantwortlich zueinandersteht, die Würde der anderen Person stets im Blick habt und sie schützt, Sorgen und Leid sowie auch Freude und Hoffnung miteinander teilt und nicht zuletzt, wo um Vergebung gebeten wird, wenn man aneinander schuldig geworden ist.

In all dem geschieht, was Gott dem Abraham verheißen hat: „Ich will dich segnen, und du sollst ein Segen sein.“ (Gen 12, 2)

Dazu ist nach meinem Verständnis die Kirche durchaus bevollmächtigt und so ist sie bei ihrem Herrn, der schließlich noch anfügt: „….wenn einer mir dienen will, wird der Vater ihn ehren…“ Joh 12,26)

Bleiben wir im Dienst an den Menschen und bei den Menschen, dann wird uns die größte Ehre zuteil, die sich erwarten lässt: Die Ehre Gottes! Und: „Die Ehre Gottes ist der lebendige Mensch.“ (Irenäus von Lyon)

Propst R. Hentschel