Pfarrei Sankt Franziskus Halle

Kindern Halt geben…

Bruder Clemens zur Sterinsingeraktion in unserer Pfarrei

Die heil’gen drei König’ mit ihrigem Stern,
die kommen gegangen, ihr Frauen und Herrn.
Der Stern gab ihnen den Schein;
ein neues Reich geht uns herein.

Die heil’gen drei König’ mit ihrigem Stern,
sie bringen dem Kindlein das Opfer so gern.
Sie reisen in schneller Eil’
in dreizehn Tag’ vierhundert Meil’.

Die heil’gen drei König’ mit ihrigem Stern
knien nieder und ehren das Kindlein, den Herrn.
Ein’ selige, fröhliche Zeit
verleih’ uns Gott im Himmelreich!

Text aus Oberbayern, mündlich überliefert, Beginn des 18. Jahrhunderts

Mit einem nach unserem heutigen Sprachgefühl etwas holprigem Deutsch waren auch wir da-mals in München unterwegs mit den Sternsingenden. Jedes Jahr. Mit Kindern und Jugendlichen aus der Gemeinde, die den Menschen daheim, die es hören wollten, jenes Lied vortrugen, den Segen Gottes brachten und um Unterstützung für Jungen und Mädchen baten, denen es nicht so gut ging wie uns.

Alle Jahre wieder gab es zu jener Zeit eine oder einen unter ihnen, die oder den wir mit schwarzer Theaterschminke zum „Melchior“ machten, um authentischer aufzutreten. Heute geht das aus vielerlei Gründen nicht mehr. Mancherorts machen sich Diskussionen darüber breit, ob man denn überhaupt noch „einen Schwarzen“ dabei haben dürfe bei den Stern-singern, um einer eventuellen Diskriminierung vorzubeugen.

In diesem Jahr 2021 ist noch mehr anders: Kontaktloses „Sternsingen in Zeiten des Lock-downs“ scheint ein Widerspruch in sich zu sein. Macht es nicht der menschlichen Kontakt aus, dass Menschen wieder Menschen werden und die so notwendige Menschlichkeit für Bedürf-tige nicht auch noch jenem unseligen Coronavirus zum Opfer fällt wie so vieles in den vergan-genen Monaten?

„Der Stern gab ihnen den Schein“ – viele sehnen sich nach Licht am Ende des Coronatunnels. Es wird noch Zeit brauchen, bis der Impfstoff alle erreicht hat und die Inzidenzzahlen andere sind als heute. Das erfordert nicht nur von jeder und jedem den richtigen Umgang mit den nach wie vor erforderlichen Schutzmaßnahmen, sondern viel Geduld und Verständnis für eine Situation, die so ist, wie sie (noch) ist.

„Sie bringen dem Kindlein das Opfer so gern.“ Eine Zeile aus der zweiten Strophe des oben-stehenden Liedes. Es dauert nicht mehr allzu lange und die Weihnachtskrippen sind wieder abgebaut und wo auch immer verstaut. Der Alltag hat uns wieder, wie auch immer er konkret aussehen wird. Was bleibt noch von Weihnachten?

Wenn auch Sie konkret die diesjährige Sternsingeraktion unterstützen möchten, können Sie Ihre Gabe auf dieses Konto des BDKJ Diözesanverbands Essen überweisen:

IBAN: DE14 3706 0193 2001 4930 20
BIC: GENODED1PAX

Wer mit der Überweisung seinen Namen und seine Adresse angibt, erhält eine Spendenquittung.

„Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens.“ (vgl. Lk. 2, 14). Was damals die himmlischen Heer-scharen den Hirten auf dem Feld in jener heiligen Nacht kundgetan haben, ist nicht überholt und darf ich vergessen werden. Auch im Jahr 2021 nicht. Echter Friede ist keine billige Illusion – denn ich selbst kann meinen Teil in meiner Umgebung konkret dazu beitragen, wenn ich nur mich und mein eigenes Wohlergehen im Blick habe.

„Ein‘ selige, fröhliche Zeit …“ Dass wir sie nicht immer auf Erden haben, ist die Wirklichkeit. Vertröstungen auf den Himmel helfen mir nicht, wenngleich ich mich darauf freue, dass jenes, was jetzt noch Kraft und Nerven kostet, bei Gott einmal in einem ganz anderen Licht erscheint.

Die „selige, fröhliche Zeit“ ist keine, die ich mit Gewalt erzwingen kann, um das beiseite zu schieben, was ich Corona bedingt nicht ändern kann. Aber ich darf und kann meine Augen trotzdem öffnen für jenes, das mir Freude schenkt und es erkennen. Auch und gerade in einer Zeit wie der unsrigen. Nicht nur Sternsinger bringen kontaktlos Licht ins Dunkel und schenken Hoffnung. Oft sind es gerade die Kleinigkeiten, die mir deutlich machen, dass ich nicht gott-verlassen oder gottvergessen und von den Menschen unbeachtet bin. Ich wünsche Ihnen und mir wieder den Blick für vieles, was alles andere als selbstverständlich und für mich so „nor-mal“ und „üblich“ ist: Mein Zuhause, mein warmes Bett, ausreichend Nahrung und Kleidung, eine sinnvolle Beschäftigung und so vieles mehr, das mir nicht mehr auffällt und erwähnens-wert scheint.

„Unser Stern strahlt heller denn je!“ Das weiter unten genannte Motto der Sternsingenden in jenem Jahr ist unterschrieben mit „Die Welt braucht eine frohe Botschaft.“ „In diesem Jahr bringen wir den Segen auf anderen Wegen“ – auch jene Aussage findet sich auf der Inter-netseite von sternsinger.de

Eine, wie nicht nur ich meine, gute Sache gerade in einer „kontaktlosen“ Zeit wie der unseren. Nicht, um das eigene Gewissen durch eine Spende zu beruhigen, sondern um konkret Menschen in der Ukraine zu helfen: „Kindern Halt geben – in der Ukraine und weltweit“. Der Mangel an ausreichend bezahlter Arbeit zwingt viele Eltern in der Ukraine, das Geld für ihre Familien im Ausland zu verdienen. Kinder müssen während der Abwesenheit von Mutter oder Vater bei Verwandten bleiben und können ihre Eltern oft lange Zeit nur per Videochat sehen. Wenn Eltern nicht vor Ort sind, ist es erforderlich, dass andere den Kindern daheim in der Ukraine Halt geben: In den Projekten, die die Aktion Dreikönigssingen fördert, setzen sich deren Partner deshalb jeden Tag dafür ein, dass das Motto der Sternsingeraktion 2021 umgesetzt werden kann: