Pfarrei Sankt Franziskus Halle

Das ist der Tag, den Gott gemacht

(vgl. „Gotteslob, Nr. 329)

Auch 1847, als der katholische Gymnasiallehrer Heinrich Bone diese Zeilen verfasste, gab es keine heile Welt. Auch damals kämpften Menschen irgendwo auf der Welt auf vielfältige Weise gegeneinander. Weil sie sich nicht einigen konnten. Weil Trennendes und Machtstreben über dem Miteinander in Verschiedenheit und über dem Frieden stand. Frieden ist mehr als kein Krieg.

Frieden im eigenen Herzen macht Frieden auch bei mir und mit anderen möglich.

„Das ist der Tag, den Gott gemacht, der Freud‘ in alle Welt gebracht.“

Jesus hat durch seine Auferstehung von den Toten das Dunkel des Todes überwunden. Unglaublich! Unfassbar! Unvorstellbar! Hat nicht Christus, der tot war und von seinem Vater auferweckt wurde, den Seinen damals wie heute deutlich gemacht, worauf es wirklich ankommt? „Liebt einander so, wie ich euch geliebt habe!“ (Joh. 15, 12). Romantisch ist das nicht. Weltfremd und die Wirklichkeit verkennend, auch nicht. Liebe kann sogar dort erfahrbar werden, wo sie so weit weg scheint: Wenn ich mein Gegenüber schätzen und achten lerne. Sogar mit ihren und seinen Eigenheiten, die sie oder ihn liebenswert machen.

Wenn nicht für mich, dann für andere.

 „Das ist der Tag, den Gott gemacht, der Freud‘ in alle Welt gebracht.“ Menschen sehnen sich damals wie heute nach Freude. Nach Liebe, nach Frieden und vielem anderen mehr. Oft wird erst deutlich, was mir wichtig war, wenn ich es nicht mehr habe. Wenn es mir fehlt. Verzweifelt waren die Gefährten Jesu nach dessen Tod am Kreuz. Ob jetzt doch alles aus und vorbei war? War der Tod stärker als das Leben? Bei Matthäus 15, 30 findet sich dieses: „Viele Menschen kamen zu Jesus und brachten Lahme, Verkrüppelte, Stumme und viele andere Kranke, sie legten sie ihm zu Füßen und er heilte sie.“ Das macht und bringt Freude: Wenn Menschen wieder heil werden trotz ihrer Einschränkungen und Verletzungen.

„Das ist der Tag, den Gott gemacht, der Freud‘ in alle Welt gebracht.“ Ein frohes Osterfest bei dem, was manche einander antun? In einer Zeit wie dieser? Jesus hat nie aufgegeben, an das Gute zu glauben – in jedem Menschen. Nicht mit roher Gewalt, sondern mit seiner alles verändernden Liebe hat er echte Freude geschenkt. Sogar denen, die schon lange keine mehr hatten. Die aufgegeben hatten. Die allein, einsam, verzweifelt, im Stich gelassen waren. Die enttäuscht waren, die resigniert hatten und nur noch Dunkelheit sahen. Für die echte Hoffnung und die Besserung ihrer Lebensumstände unerreichbar schien. Ihnen und uns, denen es im Vergleich mit anderen oft so gut geht, ihnen und uns gelten die Worte aus dem Osterlied von Heinrich Bone: „Dies ist der Tag, den Gott gemacht, der Freud‘ in alle Welt gebracht. Es freu‘ sich, was sich freuen kann, denn Wunder hat der Herr getan! Verklärt ist alles Leid der Welt, des Todes Dunkel ist erhellt. Der Herr erstand in Gottes Macht, hat neues Leben uns gebracht.“ Nicht erst an Ostern. 

Br. Clemens Wagner ofm